Olivia Trummer and Nicola Angelucci – Dialogue´s Delight

Olivia Trummer – Piano, Vocals
Nicola Angelucci – Drums

Dialogue’s Delight“ ist eine Huldigung an die Melodie, oder besser: Das Ergebnis eines gemein­samen Glaubens an die Kraft der Melodie. Was die Pianistin und Sängerin Olivia Trummer und der Schlagzeuger Nicola Angelucci auf ihrer ersten gemein­samen Veröffentlichung aus diesem Credo machen, ist höchst abwechs­lungs­reich. Die unge­wöhn­liche Besetzung mit Klavier, Gesang und Schlagzeug klingt dabei in keinem Moment „schmal“, sondern entpuppt sich als mutige Reduktion aufs Wesentliche. Das Album wurde im WhiteFir Studio mit analoger Technik in einem Raum ohne jegliche Trennung aufge­nommen. Das Ergebnis ist somit höchst authen­tisch und quasi als Live-Aufnahme zu begreifen, zu hören und zu genießen.

Das Album beginnt mit dem verträumten „Strolling“ (Angelucci). Ein maßge­schnei­derter, poeti­scher Text von Trummer verwan­delt die Komposition in einen Song, der von der Sehnsucht nach „zufäl­liger“, magi­scher Begegnung spricht. Im frei atmenden Rubato-Gefühl voller harmo­ni­scher Wendungen rollen die zwei Musiker ihre Klangfarben aus und laden den Hörer ein, in das Album einzu­tau­chen. Das rhyth­mi­sche, schwung­volle „All is well“ (Trummer) verbreitet Lebensfreude und Optimismus und spinnt den roten Faden des Albums – das Glück der Zweisamkeit und die Magie, die daraus entstehen kann – fort. Das zärt­liche, instru­men­tale „Romance“ (Angelucci) klingt wie ein modernes „Lied ohne Worte“. Schlagzeug und Klavier ziehen am glei­chen Strang, entwi­ckeln gemeinsam einen weiten dyna­mi­schen Bogen und formu­lieren eine musi­ka­li­sche Liebeserklärung, die fein zwischen hoffender Bitte und deren Erfüllung oszil­liert. Die Komposition „Stehaufmännchen“ (Trummer) ist ein Unikat mit virtuoser metri­scher Form, stän­digen Harmoniewechseln und doch verblüf­fend einfa­cher und stim­miger Melodieführung. Das Stück bietet Raum für gewitzte Dialoge und perlende Soli, in denen die Musiker ihr instru­men­tales Können ausreizen. Ein stilis­ti­scher Zeitsprung führt zu „Lil’ Darling“ (Hefti), das in Angeluccis Arrangement in einen (vor Langsamkeit kaum mehr erkenn­baren) 5/4‑Takt umge­leitet wird. Die geschmack­volle Reduktion und die elegante Koordination der Instrumente zeugen von einge­hender Beschäftigung und beken­nender Liebe zu „klas­si­schem Jazz“ à la Count Basie. Es folgt das sorglos-fröh­liche „Tempo Libero“ (Angelucci), das beson­ders durch die rhyth­mi­sche Interaktion sowie durch die hier mit den Händen gespielten Drums besticht. Unisono-Vokalisen von Klavier und Gesang fliegen derweil scheinbar mühelos durch eine Fülle von Harmonien. Der kompakte Schluss entlässt den Hörer noch im Tanzschritt und höchst­wahr­schein­lich bei guter Laune. Trummers Arrangement von „When I fall in love“ (Young / Heyman) wird vom hypno­ti­schen Ostinato der linken Hand getragen. Aufs Wesentliche konzen­triert, erstrahlen der ausdrucks­starke Gesang und der Inhalt des Textes umso deut­li­cher. In seiner geheim­nis­vollen, modalen Ästhetik und ruhigen, repe­ti­tiven Intensität könnte der Song als ferner akus­ti­scher Verwandter der Musik von „Air“ durch­gehen. „How Insensitive“ (Jobim), anfangs kaum wieder­zu­er­kennen, fließt in Trummers Arrangement aktiv im 3/4‑Takt. Die stark rhyth­mi­sche Hookline und der direkte, sich geschickt verzah­nende Schlagzeug-Groove befreien den Song von jegli­cher Sentimentalität. Die im Laufe dieser unge­wöhn­li­chen Interpretation ange­staute Energie entlädt sich im plötz­lich aufwir­belnden Intro des mysti­schen „Dear“ (Angelucci), welches Gedanken an Bilder aus dem Hubble Telescope und an die körperlos-schwe­bende Weite des Alls empor­steigen lässt. Der sphä­ri­sche Gesang Trummers verstärkt den Charakter eines psyche­de­li­schen Schlaflieds. Mit dem nost­al­gi­schen „Luigi“ (Angelucci), einer Widmung an den Cantautore Luigi Tenco, schließt das Album mit seiner viel­leicht eingän­gigsten, eindring­lichsten Melodie, wehmütig-schön ins Unendliche strebend.